Am ersten September veröffentlichte die Bergedorfer Zeitung zwei kurze Artikel darüber, was hier zur Zeit politisch geschieht. Dabei wurde das Ganze teils verdreht und mit einem fragwürdigen Unterton dargestellt, sodass man annehmen kann, die Texte provozierten rechte Gewalttäter, wenn sie sie nicht sogar zu neuen Gewalttaten aufriefen. Der Hauptartikel mit dem Titel „Bergedorf rüstet sich gegen rechte Gewalttäter“ kündigte die Eröffnung der Wanderausstellung „Opfer rechter Gewalt“ an. Der Rest, eine Beschreibung der Veranstaltungen parallel zur Ausstellung, liest sich wie ein Terminkalender für Neonazis. Im beigesetzten „Info-Kasten“ heißt es schließlich: „Bergedorfs rechte Szene schlummert“ – es sei „ruhig geworden um die rechte Szene in Bergedorf“. Dabei beruft sich der Autor auf Angaben des Hamburger Verfassungsschutzes. Die einzigen dort verbuchten Aktivitäten der örtlichen Neonaziszene seien Infostände und Flugblattverteilungen gewesen.
Der Artikel behauptet auf Grundlage vermeintlich objektiver Statistiken, dass sich die Neofaschisten aus Bergedorf und Umgebung zurückgezogen hätten. Das hänge mit dem Tod des Führercharakters Jürgen Rieger zusammen, der der Szene einen „herben Schlag“ verpasst habe. Doch der Verfasser der genannten Artikel setzt noch einen drauf und zitiert den Verfassungsschutz mit der Theorie, die Aktivisten hielten sich zurück, „um ihre bürgerliche Existenz nicht zu gefährden“. Man nenne mir einen Neonazi, in dem das nicht einen hellen Aufschrei auslöst.
Diese haltlosen Berichte sind ein herber Schlag ins Gesicht der Fakten. Denn fest steht: Bergedorfs rechte Szene ist hellwach! Wir haben dazu zwar keine amtlichen Statistiken (was schlimm genug ist) – wer aber in antifaschistischen Kreisen aktiv ist, weiß, dass allein in diesem Jahr mehrfach wehrlose Minderjährige aus politischer Motivation angegriffen und verletzt wurden. Auch das Jugendzentrum Unser Haus wurde attackiert, beschädigt und mit rassistischer Propaganda beklebt. Im Laufe des Frühjahrs wurde sogar die KZ-Gedenkstätte Neuengamme bei Bergedorf mit Hakenkreuzen besprüht.
Nach dem ersten September war eine neue Hochphase der rechten Aktivitäten zu vermelden: Die Veranstaltung der Initiative „NPD – kehrt Marsch!“ im Kulturforum (Serrahnstraße) erhielt Besuch von acht teilweise bekannten Rechtsradikalen aus der Umgebung. Sie setzten sich „ganz zivilisiert“ ins Publikum, bis sie von der Polizei der Veranstaltung verwiesen wurden. Daraufhin machten sich die Neonazis auf den Weg zum Jugendzentrum Unser Haus, wurden aber erneut von der Polizei überrascht und so davon überzeugt, dass es doch keine so gute Idee wäre, das Zentrum anzugreifen.
Ein minderjähriger Antifaschist wurde mehrmals tätlich angegriffen und verletzt, sodass er mehrere Tage danach im Krankenhaus verbringen musste. Außerdem bekam ein SPD-Stand und auch die Ausstellung „Opfer rechter Gewalt“ selbst „harmlosen Besuch“ von nationalistischen Aktivisten.
In Anbetracht dieser Chronik ist klarzustellen, dass Bergedorfs rechte Szene keinesfalls schlummert – ganz im Gegenteil. Es kann nicht sein, dass ein derart falsches Bild in die Öffentlichkeit getragen wird, weder durch das Landesamt für Verfassungsschutz noch durch die Bergedorfer Zeitung. Wir dürfen die Augen nicht verschließen vor rechten Gewalttaten – in der Statistik nicht, und im Alltag schon gar nicht.
(erschienen auf Zementblog.de)

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